die Reise beginnt….

Endlich ist es soweit. Ich bin unterwegs und startete nach einer fast durchgemachten Nacht zum Glück nicht allein, sondern hatte auf meinen ersten vier Reisetage eine wundervolle Begleitung. In Potsdam überholten uns eine Frau mit einem Kind, wobei die zwei parallel fuhren und die Frau ihre Hand auf dem Rücken das Kindes legte und es mit ihrem Schwung anschubste, so dass es uns allein überholen konnte. So in etwa fühlte sich meine Begleitung an. Ich wurde in die Reise angeschubst.

Am 11. Mai sind wir mit dem Zug nach Lutherstadt-Wittenberg und erst am 12. Mai – am Tag der Pflege – ging es so richtig los.

An vier Tagen legten wir 124 km zurück. Das ist eine angenehme Distanz, aber für meine weitere Reise im Schnitt zu wenig. Wir folgten dem Europaradweg “R1”, was sich nach nur kurzer Zeit, wie ein Zuhause anfühlte. Das Zeichen zu sehen und einen sichern Weg zu haben, nahm mir die Verantwortung und damit den Druck ab, mich stets orientieren zu müssen. Meine Begleitung ist eine erfahrene Pilgerin und hat das Wiederfinden des Symbols mit der Pilgermuschel verglichen. Es gibt einem wirklich die Möglichkeit, sich auf das Laufen oder Fahren zu konzentrieren, ohne stets die Reise unterbrechen zu müssen.

Unsere erste Reise führte uns durch Sachsen-Anhalt und Brandenburg, wobei wir die Grenze tatsächlich wahrnehmen konnten. Ab Brandenburg gab es tatsächlich richtige Radwege. Was in Sachsen-Anhalt noch als Radweg ausgeschildert war, war in Brandenburg ein landwirtschaftler Weg und parallel dazu ein breit asphaltierter richtiger Radweg. Wundervoll.

AM 12. Mai erreichten wir Coconat in Klein Glien bei Bad Belzig, einem Retreat für mehrheitlich Berline Jungunternehmer*innen und Startups. In einer so naturnahen und liebevoll gestalteten Umgebung macht das Arbeiten Spaß. Nur die Nacht war im Zelt noch zu kalt, so dass wir uns morgens in den Aufanthaltraum aufs Sofa verkrümelt haben, um den fehlenden Schlaf nachzuholen. Allerdings hielt auch das nciht lang an, weil irgendwann Gabriel in der Tür stand und einen Meditationskurs anbot. Also sind wir aufgestanden, um zu meditieren. Nicht der schlechteste Start in den Tag. Das Schöne am Covonat ist der Umgang miteinander und die vertrauensvolle Atmosphäre. Wir bedienen uns einfach und sagen zum Schluss, was wir gegessen und getrunken haben und zahlen dann. Eine kleine reale Utopie, die funktioniert.

Tiefenentspannt und lecker gestärkt sind wir den R1 bis zum Schwielensee süfdlich von Potsdam gefolgt. In Bad Belzig haben wir jemanden nach dem Radweg gefragt, der uns zehn verschiedene Weg erklärt hat, die alle umständlich klangen. IHm fiel immer wieder ein neuer Weg ein. Das ist gar nicht so leicht, hilfsbereite Menschen abzuwürgen. Aber wir hatten ja ein Tagesziel zu schaffen und wollten uns nicht aufhalten lassen. Auf dem Weg kamen wir an einem Truppenübungsplatz der Bundeswhr vorbei, von dem nicht viel zu sehen aber lautes Geballer zu hören war. Wir sind durch einen Wald gefahren, der wegen eines Schädlingsvernichtungsmittels gesperrt war. Allerdings war der Umweg über eine vielbefahrene Bundesstraße nicht weniger Lebensgefährlich, als das Gift an den Bäumen. Und es lagen tatsächlich ganz viele tote Fliegen auf dem Weg. Gerade als ich sagen wollte, “man hört gar keine Vögel”, zwitscherte es aus allen Ecken. In Beelitz haben wir uns die Heilstätten als Zaungäste angesehen und bei Fichtenwalde haben wir das Ausmaß des Waldbrands vom letzen Sommer bestaunt.

Am Schwielosee übernachteten wir in einem sehr gemütlichen alten DDR-Bauwagen und waren froh, ob dieser Möglichkeit, im Warmen zu schlafen. An diesem Abend brauchte es eine erste kleine Fahrradreparatur. Wobei Reparatur vielleicht auch zu viel gesagt ist. Da ich beim Treten mit den Füßen stets gegen die hinteren Taschen stieß, hing ich sie so weit nach hinten, wie es irgendwie möglich war. Den Seesack obendrauf sicherte ich mit einem Spanngurt um die Sattelstange. Zum Glück. Denn während der Fahrt wurde es dem Gepäckträger zu schwer und er löste sich aus den vorderen Haltestangen. Ohne dem Spanngurt hätte sich meine Taschen nach hinten hin verabschiedet und hätten den Gepäckträger gleich mitgenommen. Es brauchte nur einen Achterschlüssel und ein Festziehen der Stangenschrauben. Ich nehme mal an, dass das vom Werk her einfach nicht fest gezogen war, aber trotzdem habe ich jetzt dauerhaft einen kurzen Spanngurt zur Entlasstung der beiden Schrieben.

In Potsdam hieß es dann Abschied nehmen. Von nun an war ich allein unterwegs. Berlin ich komme!

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