gangbar

Ich bin’s wieder – das Auto, das sich nach Ruhe sehnt. Nachdem ich mit meiner Gaspedal-Aktion grandios gescheitert war, hatte ich mir für den nächsten Ausflug ein wenig mehr einfallen lassen. Wär doch gelacht, wenn ich nicht bald meine Ruhe gehabt hätte.

Seit zwei Tagen waren sie also wieder unterwegs und kurz bevor sie die Landesgrenze überqueren wollten, verabschiedete ich mich von meinem Steuerknüppel. Mitten auf der Kreuzung. Zu meiner Enttäuschung reagierte meine Fahrerin nicht panisch oder wütend, sondern ließ sich nichts anmerken, fuhr bei Gelegenheit rechts ran und antwortete auf die Frage “warum halten wir” mit “schau mal”, und hielt dabei meinen Steuerknüppel in die Luft.

Beide machten große Augen, sahen ihren Urlaub ins Wasser plumpsen und ich mich in Ruhe gelassen. Leider war mein dritter Gang eingestellt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Im dritten kann sie alles machen. Anfahren, langsam oder schnell fahren, nur rückwärts geht nicht. Rückwärts! Ich hatte da einen neuen Einfall, falls sie auf die irrsinnige Idee käme und tatsächlich den Rest des Urlaubs im Dritten gefahren wäre. Zu diesem Zeitpunkt traute ich ihr bereits alles zu. Naivität und Unbeholfenheit gepaart mit einem Spritzer Wahnsinn. Ich indes war stolz auf meinen Einfall. Lange hab ich dran gearbeitet. Jedes Mal, wenn der zweite oder vierte Gang eingelegt wurde, beugte ich den Knüppel ganz weit durch, bis ein sauberer gerader Riss entstand. Es war nur eine Frage der Zeit bis der Riss zu einem Bruch würde. Aber wie gesagt, leider im Dritten.

Sie fanden ziemlich schnell eine Werkstatt, die sich meiner annahm, während die zwei am Strand chillten. Ersatzteile gibt’s so leicht nicht, aber alle finden es anscheinend geil, ihre Kreativität an mir auszulassen und so wurde mein Schalthebel mit Hilfe eines kleinen Metallstifts geschweißt.

Dass ich einen Tag später im Ausland meine Lichtmaschine von Bord warf und bereits noch einen Tag später eine neue eingesetzt bekam, während die zwei Urlauberinnen wieder mal am Stand chillten, überspringe ich.

Mich ließ während des gesamten Urlaubs meine Rückwärtsgangidee nicht mehr los und so beschloss ich, fünfzig Kilometer bevor wir wieder zu Hause angekommen wären, nur noch rückwärts zu fahren, egal, welchen Gang sie einlegte. Es war ein bisschen witzig. Aber vor allem sah ich sie langsam verzweifeln und aufgeben. Leider fand sie einen Menschen, der sie zur nächsten Werkstatt schleppte. Was war nur los mit den Menschen? Es war Sonntag. Und mein Bild ist nicht gerade das beste von diesen Wesen, aber aus irgendeinem mir völlig unerklärlichen Grund, löste meine Anwesenheit stets Hilfsbereitschaft und Faszination aus. Viele wollten an meiner Geschichte teilhaben.

In den darauffolgenden Tagen erhielt ich ein völlig neues Schaltgetriebe.

Doch so schnell gebe ich nicht auf. Der Kampf war bereits in vollem Gang und wir befanden uns im Ring. Wer von uns würde mehr Rückschläge verkraften?

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